
Nachdem wir nun die erste Runde im heimischen Valladolid klar für uns entscheiden konnten, fuhren wir hoch motiviert, jedoch leicht angeschlagen nach einer Woche harten Trainings zum Rückspiel
ins benachbarte Salamanca. Obwohl wir selbst die Protagonisten dieser Partie sein sollten, bangten wir lange um unsere Tickets für dieses Spiel. Wir hatten es dummerweise die ganze Woche über
nicht geschafft, Tickets für unseren hauseigenen Mannschaftsbus zu besorgen. Als ich mich dann durchrang Donnerstagmittag (Donnerstag 18.00 fuhr der Bus) in meiner Freistunde zur Estación de
Autobuses zu pilgern, um mit gutem Gewissen unsere Tickets zu holen, machte unsere Buscompany natürlich schon Siesta. Für alle anderen begann die beliebte Mittagspause erst 14.30 Uhr. Für
Auto-Res allerdings schon 12.30 Uhr. Na ja, wir hatten ja noch Zeit. Als ich dann zwischen 14.50 und 15.00 in der Uni auf Nora wartete, probierte ich mal die Tickets online zu kaufen. Aber das
ganze so zwischen Tür und Angel an öffentlichen Computern war meiner Kreditkarte oder dem Buchungssystem einfach zu unruhig. Nix ging. Na ja, der Bus fährt ja auch erst um 6. Als wir um 4 zuhause
waren ging’s immer noch nicht übers Internet, obwohl ich ganz ruhig geatmet und meine Kreditkarte ab und zu gestreichelt hab. Na ja, gleich auf unserer Straße ist ein
Reisebüro wo man solche Tickets kaufen kann. Da gehen wir dann einfach um 5 hin, wenn die wieder aufmachen und kaufen das Ticket. Aus um 5 wurde viertel 6 und im Reisebüro war schon ordentlich
Betrieb. Also liefen wir gleich zum Busbahnhof. 20 Min vor Abfahrt standen wir in einer unangenehm langen Schlange vor unserem Schalter. Unangenehm, weil wir die ganze Zeit das Gefühl hatten, die
vor uns kaufen uns die letzten Tickets für Salamanca weg. Doch wer fleißig hofft, wird auch belohnt und so ging letztendlich doch alles glatt (das war ja fast so schwierig wie Tickets für die
Fußball WM in Deutschland zu kriegen).
Doch nun genug der Vorrede, zurück zum Wesentlichen. Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten. Und Caro und Erik waren so freundlich, unsere
weltmännische Geste von letzter Woche zu imitieren und uns vom Bahnhof abzuholen. Damit es nicht ganz so abgekupfert wirkt, haben Sie aus Eigeninitiative leckere Willkommens-Churros mitgebracht.
Churros das sind so etwa 20cm lange Stangen aus Teig, der vorher in fettigem, heißem Fett frittiert wurde (wahrscheinlich mit Öl das fettig ist). Normalerweise trinkt oder löffelt man diese edlen
Gebäcke mit einer cremig heißen Schokolade feinster Qualität. Mit Fett im Bauch und Gepäck auf dem Rücken (was man alles so für eine Nacht einpacken kann?!?!) ließen wir uns durch die Altstadt
zum Mannschaftshotel bringen. Der erste Eindruck der Stadt im Dunkeln, aber beleuchtet mit dem besten Flutlicht nördlich des Äquators, war schon überwältigend. Enge Gassen, Kirchen, Klöster und
Kathedralen bereiteten uns einen echt schönen Empfang. Nur im Hotel fehlte es leider an einem Whirlpool und der physiotherapeutischen Abteilung. Aber sonst waren wir bestens ausgerüstet. Nach
kurzem Ausruhen gingen wir dann noch für ein kleines Abschlusstraining raus in die Straßen. Beliebte Trainingseinheiten waren das Suchen von witzigen aus Stein gehauenen Astronauten und Eistüten
in der Fassade der größtenteils gotischen Kathedrale und das Testen diverser Tapas, die schon nicht schlecht, aber unserer Meinung nach nicht ganz so gut waren wie die in Valladolid. Einen
kleinen Spielvorteil konnten sich die Tapas aus Salamanca allerdings verschaffen, als sie sich in den Preis eines Getränks eingliederten. So wurde die ganze Chose recht preiswert. Als krönenden
Abschluss dieses Abends wollten uns unsere Gastgeber mit ganz ausgefallenen Gaumenfreuden überraschen. Leider wussten sie selbst nicht genau worauf sie sich eingelassen hatten. Versprochen wurde
uns das Tor des Jahres. Was wir bekamen war das krasseste aller Eigentore: es sieht gut aus, tut aber verdammt weh!
Auf den ersten Blick sieht es vielleicht aus wie ein etwas zusammengefallener Krokanteisbecher. Im Endeffekt war es allerdings eine Schicht dickflüssiger
Gemüsesuppe abgedeckt mit reichlich Steinpilzschlagsahne (dekoriert mit ein wenig Karamel). Ich sag euch, ein paar Minuten hab ich gekämpft, dann hab ich aufgegeben.
Die ersten Minuten des großen Spiels am nächsten Morgen haben wir erstmal sprichwörtlich verschlafen:

Doch danach liefen wir regelrecht zu Hochform auf und spielten frei auf (Caro und Erik durften bis um 2 noch ihre letzte
Einheit in der Sprachschule bestreiten). Highlights der ersten Halbzeit waren der Besuch der alten und neuen Kathedrale. In Salamanca gibt es nämlich aus uns bisher unerklärlichen Gründen 2
Kathedralen, die direkt aneinander gebaut wurden. Die alte ist romanisch und nicht allzu hoch. Genau angrenzend wurde die neue, gotische Kathedrale gebaut, die natürlich um einiges größer und
prunkvoller ist. Beim Ersteigen des Kirchturms hat man echt eine schöne Aussicht über Stadt und auf die vielen Storchennester in Nachbartürmen und Dächern. Die Gegend hier muss echt ein
regelrechtes Paradies für Störche sein. Fröhlich bauen sie sich ihre Nester und klappern dazu auch noch erheitert mit den Schnäbeln.
im Vordergrund das Dach der alten Kathedrale, dahinter das Ausmaß der neuen...
wer findet den Storch?
Interessant war auch die alte Universität, welche wohl die 4. älteste Uni in Europa sein soll.
Da aus irgendeinem Grund der Frosch eine Art Wahrzeichen der Stadt ist, wurde in der verzierten Fassade des alten Uni-Gebäudes mal wieder ein kleiner steinerner Frosch versteckt den es zu suchen
galt. Wie viele andere stellten wir uns also hin und guckten wie blöde in die Luft um den Frosch zu finden, der letztendlich gar nicht wie ein Frosch, sondern eher wie ein dreidimensionaler Fleck
aussah.
wer findet den Frosch?
Zur Halbzeit gönnten wir uns ein ausgedehntes Picknick am Flussufer mit reichlich Sonne, Brot und Käse. Bei soviel Wonne und Vertrautheit übten wir gleich mal diverse Torjubel um in Form zu
bleiben.

Die zweiten sehr langen 45 Minuten verbrachten wir mit Schlendern, Liegen, Beobachten eines leicht übermütigen Möchtegern Turners im Spiderman-Kostüm mitten
auf dem prall gefüllten Plaza Mayor und dem Genießen krasser heißer Schokoladen.
Kurz vor Abpfiff, d.h. gegen halb 10 gab’s noch mal ein richtiges Highlight. Im bahnhofseigenen Bäcker machte ich die Erfahrung wie es ist, ein Gebäck,
welches 1€ kostet, mit einem 10€ Schein zu bezahlen und von der Kassiererin als Wechselgeld glatte 19€ zurück zu bekommen. Nach sentimentalem Abschied unserer Gastgeber debattierten Nora und ich
wie einst Günter Netzer und Gerhard Delling ob wir nun 10€ in Bar geschenkt bekommen haben oder doch nur 9€ in Münzen und 1€ in Form eines Gebäcks.
Im gemütlichen Reisebus ließen wir bei ruhiger Fahrt den letzten Spieltag Revue passieren und freuten uns gleichzeitig auf die nächste Begegnung. Zu
kommentieren, wer nun letztendlich dieses Spitzenspiel für sich entscheiden konnte, nehmen wir uns nicht heraus. Das überlassen wir nach dieser objektiven Schilderung unserem Publikum.
P.S.: Eins ist aber sicher: Real Valladolid hat am Sonntag mal wieder kläglich verloren und steht nun wieder mit einem Fuß auf den Abstiegsrängen. Hätten Sie
uns mal eingesetzt….
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