Gleich vorweg: uns hat es nicht gefallen. Wir fanden es irgendwie abstoßend und eklig, hatten danach lange Zeit ein sehr seltsames Gefühl im
Bauch.
Worum es geht: Stierkampf.
Wie das geht: An einem sonnigen Nachmittag begeben sich hunderte bis tausende von Menschen zur örtlichen Stierkampfarena. Draußen kauft man Chips, Sonnenblumenkerne oder trinkt noch ein frisches
Bier kurz vor dem Spektakel. Mit spanischer Gemütlichkeit geht es dann durch die Gänge und über Treppen zum vorher gekauften Sitzplatz. Die Preise variieren dabei von 15€ - Sonnenseite und
oberste Reihen- bis etwa 150€ für Logenplätze im kühlen Schatten. Wir platzierten uns also mit zwei japanischen Freunden in der
vorletzten Reihe, eng gequetscht, Schulter an Schulter. Vor uns lief einer lang und rief: „kühle Getränke, Cola, Bier“. So langsam tat sich dann auch
etwas unten in der Arena. Ein paar gepanzerte Pferdchen liefen ein, begleitet von ein paar bunt gekleideten Toreros. Nachdem sich alle ein wenig zur Schau gestellt hatten, zogen die meisten
wieder ab. Etwa 6 Toreros ließen sich rosa-gelbe Tücher geben und verschanzten sich in der Arena hinter kleinen Holzschutzmauern. Bevor der Toro ins Feld gelassen wird, zeigt ein weiterer Helfer
noch eine Tafel hoch mit einem kleinen Steckbrief des guten Tieres: Herkunft, Gewicht usw.
Dann der große Moment: der Toro, in all seiner Pracht, Schönheit und beladen mit Temperament und Kraft rennt in die Arena. Ab und zu wagen sich ein paar der Helfer-Toreros hinter ihren
Schutzwänden hervor und versuchen mit dem Stier zu spielen. Doch selten sind sie länger als ein oder 2 Sekunden ungeschützt. Das ganze geht so etwa 3-4 Minuten. Dann betreten 2 der gepanzerten
Pferde, bepackt mit Reiter und Lanze die Arena. Nach kurzer Präsenz greift der Stier eines der Pferde an und bekommt vom Reiter die Lanze in den Rücken gejagt. Wie das für die Pferde aussieht,
könnt ihr euch vorstellen. Leicht geschwächt, rennt der Toro weiter. Nun kommen drei weitere Toreros zum Zug. Jeder von ihnen hat die bekannten
kleinen, mit Puschel-Stoff überzogenen Speere in der Hand, die sie wiederum dem Tier Auge um Auge in den Rücken rammen. In der Arena verteilt, sind dabei die ganze Zeit die anderen
Toreros mit ihren rosanen Tüchern um den Toro abzulenken, falls er mal unkontrolliert auf einen anderen zu rennt. Das ganze geht etwa weiter 5
Minuten so. Der Stier bewegt sich nun mittlerweile mit einer ganz anderen Art. Hat bereits viel von seiner Kraft und seiner Geschwindigkeit verloren. Das Blut läuft ihm nun den Rücken hinunter.
Nun kommt so langsam der „große“ Auftritt des eigentlichen Toreros bestückt mit dem tiefroten Tuch. Er tritt in die Manege um mit dem Stier zu spielen, mit dem Stier der sich nun fast so langsam
bewegt wie ein Mensch, mit dem Stier der froh ist über jede Pause und so hektisch atmet wie ein Asthmatiker. Je weiter die Minuten fortschreiten, desto langsamer wird er. Er steht dem Menschen,
der ihn bald von all dem Schmerz erlösen wird, gegenüber und wartet darauf bis dieser wieder mit seinem Tuch zuckt damit er dann wieder ins Leere rennen darf. Nicht selten kommt es vor, dass der
Stier aus Schwäche einknickt oder sich über die Hörner überschlägt. Einmal lag er bloß da, wollte nicht mehr aufstehen. Da mussten schon drei andere Toreros helfen, damit das Tier wieder auf die
Beine kommt. Nach etwa 10 Minuten Show, Mann gegen halbtoten Toro, ist der Stier kaum noch in der Lage sich zu bewegen. Nun ist es die Aufgabe des Toreros dem ganzen ein Ende zu setzten. Entweder
er schafft es mit seinem Schwert dem Stier noch weitere Male in den Rücken zu stechen bis dieser tot umfällt oder er drängt ihn an die Wand, umgeben von Helfer-Toreros die ihn mit den Tücher
völlig kirre machen, bekommt ein weiteres Mordwerkzeug gereicht und beendet das ganze mit einem gezielten Stoß auf den Kopf. Wie auch immer, am Ende sackt das Tier geschlagen auf dem blutigen
Sand zusammen. Manch ein Torero schneidet sich dann gern noch ein Ohr von dem zuckenden Tier ab. Warum wissen wir nicht. Vielleicht als Trophäe. Letztendlich kommen wieder 2 Pferde, die den toten
Stier an einem Seil durch die Arena dann nach draußen schleifen. Jetzt klatschen vielleicht ein paar Leute, wenn Sie es nicht schon gemacht haben, als der Stier tot umfiel. Ok, der erste Kampf
ist vorbei. Es folgen weiter fünf.
Nun, wir wollen uns nicht anmaßen hunderte Jahre mediterraner Kultur mit Füßen zu treten und einen wichtigen Teil spanischer Kultur auf das Töten von Tieren zu reduzieren. Doch es war uns sehr
unheimlich und seltsam, wie man an diesem, für uns feigen, Spektakel so viel gefallen finden kann. Wir rechneten mit einem Kampf: ein Mann gegen einen Stier. Stattdessen waren es Pferd mit Lanze,
6 weiter Toros, und ein Haupt-Toro der sich feiern ließ obwohl er mit einem halbtoten Stier kämpfte.
Nun haben wir danach natürlich mit Spaniern darüber geredet. Die ältere Generation sieht darin eher die Tradition, eben ein Kulturgut von mehreren Jahrhunderten. Außerdem lebten die Stiere 3 oder 4 Jahre in paradiesischen Zuständen, nahezu in der Wildnis, im Vergleich zu Kühen und Schweinen die wir jedes Jahr ohne Wimpernzucken verzehren. Es stehen also 4 Jahre schönes Leben gegen 20 Minuten elendes Leiden.
Die jüngere Generation findet kaum Gefallen am Stierkampf. Die meisten jungen Spanier die wir gesprochen haben, haben selbst noch nie einen Stierkampf gesehen. Außerdem gibt es reichlich Demonstrationen, Vereine und Parteien gegen dieses Töten der Tiere.
Abgesehen von dem Leid, was das Tier während des Kampfes erfährt, fanden wir eher erschreckend wie man sich das Ganze als belustigende Nachmittagsbeschäftigung angucken kann, zwischen den einzelnen Stieren genüsslich eine Tüte Chips verdrückt und dann halt wieder nach Hause geht. Wir sind nach 4 von 6 Toros mit einem sehr seltsamen Gefühl im Bauch leicht angeschlagen nach Hause gegangen.
Wir hoffen nun keinem Spanier und seiner Kultur allzu sehr auf die Füße getreten zu sein. Es waren einfach unsere Gefühle und Gedanken.
oder diesem
Momentan lernen wir – mehr oder weniger intensiv – für unsere Prüfungen am Donnerstag und Freitag aufgrund der veränderten Lebensbedingungen lieber draußen als drinnen.
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