Samstag, 28. juni 2008

Gleich vorweg: uns hat es nicht gefallen. Wir fanden es irgendwie abstoßend und eklig, hatten danach lange Zeit ein sehr seltsames Gefühl im Bauch.
Worum es geht: Stierkampf.

Wie das geht: An einem sonnigen Nachmittag begeben sich hunderte bis tausende von Menschen zur örtlichen Stierkampfarena. Draußen kauft man Chips, Sonnenblumenkerne oder trinkt noch ein frisches Bier kurz vor dem Spektakel. Mit spanischer Gemütlichkeit geht es dann durch die Gänge und über Treppen zum vorher gekauften Sitzplatz. Die Preise variieren dabei von 15€ - Sonnenseite und oberste Reihen-  bis etwa 150€ für Logenplätze im kühlen Schatten. Wir platzierten uns also mit zwei japanischen Freunden in der vorletzten  Reihe, eng gequetscht, Schulter an Schulter. Vor uns lief einer lang und rief: „kühle Getränke, Cola, Bier“. So langsam tat sich dann auch etwas unten in der Arena. Ein paar gepanzerte Pferdchen liefen ein, begleitet von ein paar bunt gekleideten Toreros. Nachdem sich alle ein wenig zur Schau gestellt hatten, zogen die meisten wieder ab. Etwa 6 Toreros ließen sich rosa-gelbe Tücher geben und verschanzten sich in der Arena hinter kleinen Holzschutzmauern. Bevor der Toro ins Feld gelassen wird, zeigt ein weiterer Helfer noch eine Tafel hoch mit einem kleinen Steckbrief des guten Tieres: Herkunft, Gewicht usw.

Dann der große Moment: der Toro, in all seiner Pracht, Schönheit und beladen mit Temperament und Kraft rennt in die Arena. Ab und zu wagen sich ein paar der Helfer-Toreros hinter ihren Schutzwänden hervor und versuchen mit dem Stier zu spielen. Doch selten sind sie länger als ein oder 2 Sekunden ungeschützt. Das ganze geht so etwa 3-4 Minuten. Dann betreten 2 der gepanzerten Pferde, bepackt mit Reiter und Lanze die Arena. Nach kurzer Präsenz greift der Stier eines der Pferde an und bekommt vom Reiter die Lanze in den Rücken gejagt. Wie das für die Pferde aussieht, könnt ihr euch vorstellen. Leicht geschwächt, rennt der Toro weiter.  Nun kommen drei weitere Toreros zum Zug. Jeder von ihnen hat die bekannten kleinen, mit Puschel-Stoff überzogenen Speere in der Hand, die sie wiederum dem Tier Auge um Auge in den Rücken rammen. In der Arena verteilt, sind dabei die ganze Zeit die anderen Toreros  mit ihren rosanen Tüchern um den Toro abzulenken, falls er mal unkontrolliert auf einen anderen zu rennt. Das ganze geht etwa weiter 5 Minuten so. Der Stier bewegt sich nun mittlerweile mit einer ganz anderen Art. Hat bereits viel von seiner Kraft und seiner Geschwindigkeit verloren. Das Blut läuft ihm nun den Rücken hinunter. Nun kommt so langsam der „große“ Auftritt des eigentlichen Toreros bestückt mit dem tiefroten Tuch. Er tritt in die Manege um mit dem Stier zu spielen, mit dem Stier der sich nun fast so langsam bewegt wie ein Mensch, mit dem Stier der froh ist über jede Pause und so hektisch atmet wie ein Asthmatiker. Je weiter die Minuten fortschreiten, desto langsamer wird er. Er steht dem Menschen, der ihn bald von all dem Schmerz erlösen wird, gegenüber und wartet darauf bis dieser wieder mit seinem Tuch zuckt damit er dann wieder ins Leere rennen darf. Nicht selten kommt es vor, dass der Stier aus Schwäche einknickt oder sich über die Hörner überschlägt. Einmal lag er bloß da, wollte nicht mehr aufstehen. Da mussten schon drei andere Toreros helfen, damit das Tier wieder auf die Beine kommt. Nach etwa 10 Minuten Show, Mann gegen halbtoten Toro, ist der Stier kaum noch in der Lage sich zu bewegen. Nun ist es die Aufgabe des Toreros dem ganzen ein Ende zu setzten. Entweder er schafft es mit seinem Schwert dem Stier noch weitere Male in den Rücken zu stechen bis dieser tot umfällt oder er drängt ihn an die Wand, umgeben von Helfer-Toreros die ihn mit den Tücher völlig kirre machen, bekommt ein weiteres Mordwerkzeug gereicht und beendet das ganze mit einem gezielten Stoß auf den Kopf. Wie auch immer, am Ende sackt das Tier geschlagen auf dem blutigen Sand zusammen. Manch ein Torero schneidet sich dann gern noch ein Ohr von dem zuckenden Tier ab. Warum wissen wir nicht. Vielleicht als Trophäe. Letztendlich kommen wieder 2 Pferde, die den toten Stier an einem Seil durch die Arena dann nach draußen schleifen. Jetzt klatschen vielleicht ein paar Leute, wenn Sie es nicht schon gemacht haben, als der Stier tot umfiel. Ok, der erste Kampf ist vorbei. Es folgen weiter fünf.


Nun, wir wollen uns nicht anmaßen hunderte Jahre mediterraner Kultur mit Füßen zu treten und einen wichtigen Teil spanischer Kultur auf das Töten von Tieren zu reduzieren. Doch es war uns sehr unheimlich und seltsam, wie man an diesem, für uns feigen, Spektakel so viel gefallen finden kann. Wir rechneten mit einem Kampf: ein Mann gegen einen Stier. Stattdessen waren es Pferd mit Lanze, 6 weiter Toros, und ein Haupt-Toro der sich feiern ließ obwohl er mit einem halbtoten Stier kämpfte.

Nun haben wir danach natürlich mit Spaniern darüber geredet. Die ältere Generation sieht darin eher die Tradition, eben ein Kulturgut von mehreren Jahrhunderten. Außerdem lebten die Stiere 3 oder 4 Jahre in paradiesischen Zuständen, nahezu in der Wildnis, im Vergleich zu Kühen und Schweinen die wir jedes Jahr ohne Wimpernzucken verzehren. Es stehen also 4 Jahre schönes Leben gegen 20 Minuten elendes Leiden.

Die jüngere Generation findet kaum Gefallen am Stierkampf. Die meisten jungen Spanier die wir gesprochen haben, haben selbst noch nie einen Stierkampf gesehen. Außerdem gibt es reichlich Demonstrationen, Vereine und Parteien gegen dieses Töten der Tiere.

Abgesehen von dem Leid, was das Tier während des Kampfes erfährt, fanden wir eher erschreckend wie man sich das Ganze als belustigende Nachmittagsbeschäftigung angucken kann, zwischen den einzelnen Stieren genüsslich eine Tüte Chips verdrückt und dann halt wieder nach Hause geht. Wir sind nach 4 von 6 Toros mit einem sehr seltsamen Gefühl im Bauch leicht angeschlagen nach Hause gegangen.

Wir hoffen nun keinem Spanier und seiner Kultur allzu sehr auf die Füße getreten zu sein. Es waren einfach unsere Gefühle und Gedanken.

Der Film zeigt nun einen kleinen zusammengefassten Ausschnitt von dem was wir erlebt haben.


von Hannes - veröffentlicht in: Typisch Spanisch
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen
Montag, 23. juni 2008

Spanien ist im Halbfinale - und hat es endlich geschafft nach 88 Jahren mal wieder ein offizielles Spiel gegen Italien zu gewinnen!

Felicidades!!!!!





von Nora und Hannes - veröffentlicht in: Videos
Kommentar hinzufügen - Kommentare (1) - empfehlen
Freitag, 20. juni 2008


Es gab Zeiten in denen wohlhabende Männer im fernen und verwüsteten Westen ihre rare Freizeit nutzten um auszureiten, die Erde zu riechen, Seite an Seite mit den Oberhäuptern anderer Familien, die Hemden rot-schwarz kariert und zwischen den Lippen eine leicht klimmende Marlboro. Das waren die Zeiten, als Sonnenauf- und Untergang den Tag bestimmten und man nicht von Autostaus sondern höchstens von den Weg kreuzenden Rinderherden aufgehalten wurde.

Auch uns begeistert ab und an die Vorstellung eines zeitlosen Dahinlebens, Hand in Hand mit der Natur und ihrer Schönheit, nur ausgerüstet mit den Nötigsten um die nächsten 24h zu überleben. Doch wo kann man diesen romantischen Traum noch Wirklichkeit werden lassen? Ja, es gibt da ein Land, fern ab von unseren Breiten auf der anderen Hälfte des Äquaors in dem man dieses Gefühl einer irrealen Wirklichkeit noch erleben kann. Und so einige verträumte Gedanken an dieses Leben kamen uns beim Anblick verregneter Innenhöfe in den letzten Monaten nicht selten. Nun ist man bis in die australische Gelassenheit nicht mehr monatelang mit dem Schiff unterwegs wie einst James Cook, sondern schafft den ganzen Trip in ca. 24h, doch stellt der monetäre Faktor ein nicht unerhebliches Hindernis für einen spontanen Besuch dar. Wir beließen es also beim Schwelgen in Erinnerungen und hofften auf bessere Zeiten. Nebenbei schrieben wir Klausuren, ohne dafür zu lernen, und buchten Bus, Flug und Auto für unsere bescheidene 12-tägige Portugalreise. Vor uns schwebte der 7. Juni, Tag unserer Abreise, wie ein kleiner Stern der uns den Weg in eine kleine Auszeit leiten sollte.

Als wir am Freitag den 6. Juni  unserer geistigen Entspannung ganz nah waren und in Vorfreude getaucht nichts weiter machen wollten als Badesachen und Sonnenhut in die Taschen zu packen, kündigte sich für die nächsten Stunden bis zur Abreise ein kleiner Stressmarathon an. Begonnen wurde er früh um 9 mit den letzten Lernversuchen für die um 12 stattfindende Klausur. Gefolgt wurde der Spaß von unserem Spanischexamen 15.45 Uhr mit angehängter mündlicher Prüfung und letzten Einkäufen für den Urlaub. Zwischen 19 und 21 Uhr hieß es dann tatsächlich Sachen packen bis wir zum good-bye Dinner mit unserer Sprachschule gegangen sind, welches nett, reichlich und teuer war.

 

Gegen 0 Uhr hatten wir die Ehre die immer lächelnde Burcu aus der Türkei auf ihrer Abschiedsfeier zu verabschieden bevor wir dann so ca. 0.45 zur nächsten Runde stießen um Hannah und Corinne aus England mit den besten Wünschen ins Weite zu schicken.

 

 

Nach einigen Schnäpsen und reichlich Wiedersehens-Wünschen setzten wir uns mit unseren zwei Mitbewohnern noch bis halb 4 in die Kneipe an der Ecke um sie auf die kommenden und wohl sehr einsamen Tage vorzubereiten. Als wir letztendlich 4.30 in die Wogen des Schlafes geleitet wurden und 1.5h später von dem gehassten Wecker wieder auf die Beine geholt wurden, konnte es nun richtig losgehen. Wir überlebten die zähe Busfahrt nach Madrid und den engen Flug nach Lissabon um dann endlich Portugal in seiner vollen Pracht zu erleben.

Beginnen sollte das Ganze mit drei Tagen Lissabon als eine Art seichte Einstimmung bevor wir uns raus ins weite Land aufmachten. Arm und integrativ wie wir sind, besorgten wir uns eine Unterkunft für die Nächte in Lisboa über couchsurfing bei Jorge um gleich richtig in die portugiesische Kultur einzutauchen.


In kurzem email-Kontakt vorher schrieb er mir seine Adresse, und eine Metrostation die „gleich neben seinem Haus ist“ (Zitat Jorge). Als wir dann in „Telheiras“ die Metro ohne  passenden Stadtplan verließen, musste die Straße ja quasi gleich um die Ecke sein. Der erste den wir fragten, kannte die Straße nicht. Die zweiten, ein paar Jugendliche, auch nicht wirklich. Hilfsbereit wie sie waren haben sie rumtelefoniert bis sie wussten wo wir hinmüssten. Und es stellte sich heraus, dass wir da noch ca. 15 Fußminuten mit Gepäck und Mittagssonne vor uns hatten. Also entschieden sie kurzerhand uns in ihr kleines Gefährt zu stecken und uns bis zu Jorge zu fahren. Wir waren begeistert. Das erste Mal dachten wir, die Leute hier haben etwas Australisches. Nach einer Stunde Kennenlernen fuhr Jorge wieder in die Stadt, mit dem Auto, und hat uns auch gleich im Zentrum abgesetzt. Was uns später allerdings zum Verhängnis werden sollte. Wir fuhren zwar mit dem Auto den Weg zur Metro ab doch ständig sagte er „eigentlich hier nur gerade aus und dann so und so“ (machte dabei zwei wedelnde Handbewegungen). Jedes Mal nachdem er das sagte sind wir wieder auf eine andere Straße abgebogen. Na ja, wird schon klappen, dachten wir uns. Wir hatten uns ausgemacht bis um 11 wieder bei ihm zu sein. Nach einer kleinen Erkundungstour der Stadt erreichten wir gegen 22 Uhr wieder die Metrostation Telheiras. Diesmal mit Stadtplan. Aber im Dunkeln. Und immer noch keinen Schimmer wo es langgehen soll. Irgendwie konnten wir unser Zielobjekt nicht auf dem Plan ausmachen. Also raus aus der Metro und ein Ehepaar mittleren Alters (etwa 45 Jahre ;-) angesprochen ob sie wüssten wo „unsere“ Straße sei. Antwort war wie zu erwarten negativ. Wir rätselten ein bisschen gemeinsam, drehten den Stadtplan mehrmals um seine horizontale und vertikale Achse, konsultierten vorbeifahrende Taxifahrer und rätselten weiter. Schließlich meinte sie, das einfachste wäre mit ihnen zusammen zur nächsten Polizeistation zu laufen und dort nachzufragen. Nun, verzweifelt wie wir waren konnten wir dieses Hilfsangebot auch nicht wirklich ausschlagen und machten uns auf den Weg. Nach weiteren 5 Minuten rätseln war nun endlich klar, wo wir hin müssten. Und wieder war das Mitleid unserer Helfer groß und ihre Freundlichkeit unbeschreiblich, so dass sie uns in ihr Auto setzten und ein weiteres Mal nach hause fuhren. Begeistert von der Freundlichkeit der Portugiesen und geschockt von unserer Unfähigkeit begrüßte uns Jorge relativ pünktlich um 23 Uhr im Schlafanzug, und malte uns als erste Amtshandlung gleich seine Straße in unseren Plan ein, da diese da nämlich gar nicht drin war.

 

Die nächsten 2 Tage schlenderten wir durch die Gassen von Portugals romantischer Hauptstadt und ließen uns die Sonne kräftig in den Nacken scheinen. Ohne weiteres hätten wir aller fünf Minuten beim lokalen Haschisch oder Heroindealer zuschlagen können, der sich auch nicht zu fein war diese Schlagwörter über zehn Meter durch die Altstadt zu rufen um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Da sind wir dann doch lieber schnell in die sagenumwobene Tram 28 gestiegen und haben uns auf die urigste Achterbahnfahrt auf der iberischen Halbinsel eingelassen. Man muss dazu sagen, dass Lissabon ein sehr hügeliges Pflaster ist. Zusätzlich ist die besagte Straßenbahn ein wahres Relikt alter Zeiten, was mit großer Freude vom Fahrer dann sehr hastig durch die engen Gassen, vielen Kurven sowie Steigungen und Senkungen getrieben wird. Und das alles für nur 75 Cent. Wie schön.

 

 

Was sich als ein wenig teurer gestalten kann als diese  kleine Attraktion ist sich ein Fußballspiel von Jogis Elf gegen unsere polnischen Nachbarn anzugucken. Zumindest wenn man im falschen Viertel ist. Und das waren wir wohl. Mit leerem Portmonee streiften wird an den ältesten Häusern Lissabons vorbei und hielten Ausschau nach ´ner Bar mit Bildschirm. Nach ewigem Laufen und dem Verpassen der ersten 20 Minuten ließen wir uns dann letztendlich auf der Terrasse eines kleinen Restaurants nieder und waren bereit ein paar Euro in Nahrung zu investieren um Poldis Schusskraft zu bewundern. Vorsichtshalber fragte ich noch ob wir mit Visa zahlen könnten. Nein, natürlich nicht. Aber 20 Meter den Berg runter oder hoch seien Bankautomaten. Also kein Problem, her mit dem Futter. Wir bestellten also fein die Getränke und begutachteten gerade die geballte Offensivkraft unserer Jahrhundertmannschaft. Doch dann wurde kurzerhand der Fernseher ausgeschaltet und gegen banale portugiesische Volkskunst names Fado eingetauscht. Hallo? Was soll das denn? Singen könnt ihr jeden Tag, jetzt ist EM, jetzt ist Deutschland, wir sind deutsche Touristen, wir WOLLEN DAS JETZT SEHEN! Ganz so deutlich konnte ich das in Portugiesisch nicht ausdrücken als ich ein wenig verdutzt die Kellnerin auf den schwarzen Bildschirm hinwies. Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern und sagte nur „Fado“ (und dachte wahrscheinlich: „typisch deutsch, nur Fußball und ein kein Stück Kultur im Leib!“). Es half nichts, wir mussten dort weg. Schnell austrinken, dann bezahlen. Doch wir hatten kein Geld. Also lief ich mir 20 Minuten meine Flip-Flops auf Kopfsteinpflaster heiß um schließlich den Geldautomaten zu finden der lediglich „20 Meter von hier entfernt ist“. Na vielen Dank, die erste Halbzeit war vorbei. Letztendlich erreichten wir ein anderes Restaurant mit Public Fjuing. Die letzten 25 Minuten dieses bisher besten Spiels der Deutschen bescherten uns dann noch 2 Suppen, einen Korb Brot, 2 Getränke und eine Rechnung von 19€. Addiert mit den 5€ aus der Kulturkneipe war es dann doch mehr als wir planten für den Spaß auszugeben. Vor zwanzig Jahren hätte man dafür wahrscheinlich Finaltickets bekommen.

 

Nach zweieinhalb Tagen entspanntem Stadturlaub waren wir bereit noch einen Gang weiter zurückzuschalten und einzutauchen in das Abenteuer portugiesischer Weite. Um dem australischen Abenteuer so nahe wie möglich zu kommen haben wir natürlich wieder unseren Wohnraum auf das Innenleben eines Autos zusammengeschrumpft und gleichzeitig auf die Weite der Natur ausgedehnt. Allerdings war unser Gefährt nicht mit den Kalibern von Australien zu vergleichen.

 

Aus dem Auto oder diesem
 wurde jetzt der hier: ein kleiner Ford Fiesta



Aber was soll’s, Portugal ist ja auch ein ganzes Stück kleiner als der rote Kontinent. Nachdem wir ein wenig zu kämpfen hatten die richtigen Straßen zu finden um aus Lissabon möglichst entspannt raus zu kommen, legten wir unser erstes Reiseziel fest und besorgten uns erstmal eine richtige Straßenkarte. Unser Atlas war scheiße, nur die Hälfte der Straßen war benannt. In unserer neuen Karte waren nun fast alle Straßen benannt, was uns allerdings oft nichts nützte, da die Straßen im Real Life an den Schildern recht oft nicht bezeichnet waren. So oder so, wir waren unterwegs. Das war das wichtigste. Denn alle unsere Ziele waren mehr oder weniger verwerflich oder austauschbar. Wir wollten einfach dort halten wo es schön ist. Und das machten wir dann auch. Wir erlebten ein total wildes Hinderland mit alten zerfallenen Dörfern, einsame Strände, kleine niedliche Küstenörtchen. Wir schlenderten über skurile Wochenmärkte und duschten stets in kalten, öffentlichen Duschen. Wir tuckerten mit 70 km/h durch die kurvige Landschaft und blieben einfach auf dem Highway stehen wenn wir ein Foto machen wollten. So selten kamen andere Autos vorbei. Und je mehr Kilometer wir da so durch diesen echten Traum segelten, entfernten wir uns vom alten Europa und fühlten uns versetzt in eine Welt Down Under. Als dann neben uns die Erde immer röter wurde, waren wir uns eigentlich sicher nicht mehr hier zu sein. Wenn wir nicht gerade durch die Gegend fuhren, befanden wir uns am Strand, ich versuchte ein wenig zu surfen, wir lasen uns die Seele vom Leib und kochten uns Nudelgerichte jeglicher Art. Geschlafen haben wir natürlich an den schönsten Orten die Portugals Westküste zu bieten hatte in unserem kleinen Wohnmobil: Steilküste, Blick aufs Meer und den immer wiederkehrenden Sonnenuntergang.

 

 

 

 Manchmal nachts, wenn wir dann auf den zurückgeklappten Vordersitzen unseres kleinen Wohnmobils zur Ruhe gekommen waren, konnten wir sie dann auch hören, die Reiter aus dem fernen Land, wie sie nun voller Zufriedenheit zu Frau, Kindern und Rindern auf die Farm zurückkehrten um von ihrem abenteuerlichen Ausritt zu erzählen. Zeit und Raum spielten keine Rolle mehr. Ob wir dann wach waren oder schon träumten weiß ich nicht genau. Zu oft konnten wir diese zwei Welten in den letzten Tagen nicht auseinander halten.


P.S.: in den nächsten Tagen gibts dann noch weitere Fotos um einen umfassenderen visuellen Einblick zu bekommen.

von Hannes
Kommentar hinzufügen - Kommentare (4) - empfehlen
Dienstag, 3. juni 2008

Es ist Samstag Morgen 11 Uhr und da unsere Küche nicht gerade sehr einladend wirkt an diesem Morgen (wie so oft) entschließen wir uns, unser Frühstück im Café um die Ecke einzunehmen. Nach 45 Minuten ausgiebigem Zeitunglesen und Kakao-Schlürfen, läuft uns beim Verlassen des Cafés aufgeregt unsere Vermieterin entgegen. Sie habe sich von ihrem Freund getrennt, ob es uns was ausmache, dass sie vorübergehend bei uns einziehe. Mit ihrem Kind. 1 Jahr alt.

Naja, was hätten wir schon antworten sollen, ist ja ihre Wohnung. Insgeheim hatten wir aber noch die Hoffnung, dass es am Ende nicht dazu kommt, schließlich ist es schon das dritte Mal, dass sie bei uns einziehen will.

Als wir 5 Minuten später nach Hause kamen, wurden wir eines besseren belehrt. Sie war bereits eingezogen. In 45 Minuten. Aber so was von eingezogen. Wohnzimmer und Flur standen komplett voll mit ihrem Hausrat. Der Belgier Hans konnte nur noch steigend aus seiner Zimmertür heraustreten. Fernseher, Zimmerpflanzen, Kinderbett, Plattensammlung, Kisten, Kisten, Kisten.

Hier ein kurzer Eindruck, inklusive der sehr aussagekräftigen Reaktion von Belgierin Julie:


In den darauf folgenden Diskussionen versuchte uns Irene (so heißt sie) davon zu überzeugen, dass es nur für kurze Zeit (ein paar Tage) ist, bis sie was Neues gefunden hat. Gut, das könnte man jetzt glauben, muss man aber nicht.

Dagegen spricht, dass…

  • sie ihr Geld lieber für Drogen ausgibt, und sich somit das Geld für eine neue Wohnung sparen könnte, wenn sie hier doch kostenlos wohnen kann
  • sie ihren Fernseher gegen unseren getauscht hat und ihre komplette DVD Anlage aufgebaut und angeschlossen hat
  • sie das Zimmer mit Bildern verschönert hat

Dafür spricht….

  • eigentlich nichts.

Gut, dann sind wir jetzt also 5 einhalb Personen in unserer schönen Wohnung. Mal abgesehen davon, dass wir nun kein Wohnzimmer haben und die Duschzeiten neu koordinieren müssen (das warme Wasser reicht hier immer nur für 2 kurze Duschen hintereinander), wird es nun eben generell etwas enger hier. Und lauter. Vor allem früh. Nachts nicht, da muss man ganz leise sein.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass unsere Vermieterin auch noch 2 Amerikanerinnen beherbergt, die hier 5 Wochen Study Abroad machen? (irgendwoher muss das Geld ja kommen…) Diese mussten natürlich auch ausziehen und wohnen nun über uns, zusammen mit einem Mädel und 2 hüfthohen Hunden. Allerdings haben die beiden Vollpension gebucht, was wiederum heißt, dass sie ihre Mahlzeiten hier bei uns einnehmen und sich auch sonst recht oft in unsere Wohnung aufhalten (wahrscheinlich mögen sie keine Hunde…).

Wenn wir also durch unsere Wohnung laufen, ist es nun nicht überraschend, einen fremden Menschen im Bad zu sehen, Kinder durch den Flur rennen zu hören und ab und an auch mal einem Hund über den Weg zu laufen (wenn oben jemand vergessen hat die Tür zu zumachen).

Als wäre es vorher nicht schon schlimm genug gewesen. Schließlich hatten wir in den letzten Monaten schon mit nicht am Boden befestigten Kloschüsseln, verstopften Badewannen, nicht abwaschenden Belgiern, Dauerregen (ja, Dauerregen in Spanien!) und Kakerlaken unterm Bett zu kämpfen.

Dies hatte nicht nur Auszugs- sondern  - zumindest bei mir - sogar manchmal Heimfahrgedanken zur Folge.


Nun scheint die Sonne aber seit 2 Tagen wieder und Dreck, Kindergebrüll und enge lichtlose Räume lassen sich so gleich viel besser ertragen. Am Sonntag waren wir Paintball spielen, aber aufgrund meiner Fußverletzung war ich da natürlich ein leichtes Opfer

 

 Das ist mein Arm und nicht mein Oberschenkel!

Aber Hannes hats auch erwischt:

Momentan lernen wir – mehr oder weniger intensiv – für unsere Prüfungen am Donnerstag und Freitag aufgrund der veränderten Lebensbedingungen lieber draußen als drinnen.

Am Freitag bekommen unsere Belgier von 4 Freunden Besuch, dann sind wir hier zu 10. Bloß gut, dass wir uns am Samstag für 12 Tage nach Portugal verziehen. Dort haben wir uns  nen kleinen, niedlichen VW Polo gebucht um ein wenig wie zu guten alten Zeiten in Australien, unser Leben – ob am Tag oder in der Nacht – ins Auto und in die pure Wildnis zu verlegen. Nur dass unser mobiles Zuhause dieses Mal etwa 2 Meter kürzer ist. Gemütlicher als in unserer Wohnung ist es aber bestimmt!

von Nora
Kommentar hinzufügen - Kommentare (5) - empfehlen
Samstag, 31. mai 2008

Dass eine Uni, bloß weil sie eine Privatuni ist, nicht gleich das non plus ultra sein muss, überrascht nicht allzu sehr. Dass es aber bei solch einer Einrichtung an der Fähigkeit oder dem Willen mangelt für eine artgerechte Benutzung der Toiletten zu sorgen, lässt mich dann doch ein wenig zweifeln. Abgesehen davon, dass seit Monaten die meisten Pissoirs als Defekt markiert sind, wurde der morgendlichen Notdruft ein weiterer Erlebnisfaktor hinzugefügt: Toilette-Climbing! Was man dazu braucht? Zu aller erst ein Opfer (in diesem Falle ich). Als zweites ein geeignetes Örtchen (in diesem Falle eines der Sitzklos unserer Uni hier). Was bedeutet in diesem Falle „geeignet“? Ein Klotür, die man von innen nicht öffnen kann, weil es an einer Türklinke fehlt und einen etwa 50cm hohen Spalt zwischen Tür und Decke. Wie läuft der ganze Spaß dann ab? Man läuft mit wohlwollendem Grinsen aufs Klo, in weiser Voraussicht, sich in etwa 20 Sekunden besser fühlen zu werden. Man betritt die Klokabine, da die Pissoirs defekt sind und lässt hinter sich die Tür ins Schloss fallen. Dann dreht man sich zur Tür um abzuschließen und fängt an sich zu wundern, warum hier die Türklinke fehlt und nur so ein bissel anderes Eisen rausguckt.


Nach kurzen Öffnungsversuchen sollte man dann so schnell wie möglich den Entschluss fassen über die Tür drüber wieder in den allgemeinen Kloraum zu klettern. Vorher noch den Rucksack auf der anderen Türseite wie Rapunzel ihr Haar herunter lassen. Dann kurz versichern, dass keiner vorm Waschbecken steht und sich erschrickt, wenn er im Spiegel einen Typen aus dem Klo klettern sieht. Der Rest ist dann eine Mischung aus unheimlich viel Technik, Mut und eigentlich auch Spaß.

 

 

Da unsere Uni ja nicht gerade ihr Geld für Handwerker ausgibt gibt’s neben den normalen Lehrveranstaltungen erlebnisreiche Veranstaltungen wie die Jornada Cultural, ein Tag mit verschiedenen künstlerischen Wettbewerben, Theateraufführungen, Sandwichverkauf, Mini-Golf auf dem Frontacker oder Paintball. Letzteres hatte die Erasmus-Gemeinde erheblich in Aufregung versetzt. Zumindest die, die sich trotz drüben Grau und leichtem Nieseln aus dem Bett zerren konnten. Nachdem wir uns im Sekretariat der Uni mit Telefon-, Haus- und Ausweisnummer dafür angemeldet hatten, konnte sich Special European Force an die Arbeit machen: Teams bilden, Overalls anziehen, Masken aufsetzen, Waffen laden und Stellung beziehen. Paintball-Kenner wissen, dass für diesen Spaß  eigentlich ein Areal mit gewisser Größe benötigt wird, um ein wenig herum zu rennen, sich zu verstecken um dann das gegnerische Team mit Farbkugeln aus dem Gasdruckgewehr aus dem Hinterhalt abschießen zu können. Der Spielplatz, der für die großen, spielwütigen Kids auf unserem Uni-parkplatz installiert wurde glich von der Größe einem etwas kleinen Basketballfeld. Worauf es dann letztendlich hinauslief, als der Starpfiff ertönte, war, so schnell wie möglich hinter eines der aufgeblasenen Hindernisse zu laufen und mit möglichst großer Trefferquote sein Magazin an Farbkugeln leer zuschießen. Nach 10 Minuten kindlichem Adrenalin verglichen wir stolz gelb gefärbte Haare und blaue Flecken an Arm und Bein. Bei einem feucht-warmen Kakao und ´ner ruhigen Partie Schach konnten wir alle Aggressionen abbauen und wieder zueinander finden. Überflüssige Diskussionen über die moralische Vertretbarkeit solcher Spiele in Zeiten von Amokläufen an Schulen o.ä. fielen schnell unter den Tisch, da wir uns alle für psychisch fit und aufgeklärt genug hielten um nicht Fiktion mit der Realität zu verwechseln. Haben wir uns nicht zu Fasching auch immer als Cowboys oder Indianer abgeschossen?

 



Auch wenn es eher traurig und schade als lustig ist, muss hier noch kurz angemerkt werden, dass die Nori aus verschwörerischen Umständen nicht an dieser sehr belustigenden Veranstaltung teilnehmen konnte. Die Verschwörung bestand grob gesagt aus plötzlich einsetzendem Regen, einer nicht nachvollziehbaren Reaktion ihres Hauptnervenzentrums, einem paar Wollsocken, sehr rutschigen Fließen, viel Schmerz und einem Fuß der von innen zwar ganz aussieht, es von außen allerdings nicht ist und sich auch nicht so anfühlt. Für genauere Hintergründe bitte ich das jetzt humpelnde Opfer selbst zu kontaktieren, da aufgrund der heiklen Situation nicht zu viele Informationen über diese öffentliche Seite preisgegeben werden sollten. Bitte habt dafür Verständnis! Danke.

von Hannes
Kommentar hinzufügen - Kommentare (1) - empfehlen
Sonntag, 13. april 2008

Liebe Freunde, nach langem Warten und einer wagen Versprechung über erhöhte Blogaktivität in den kommenden Tagen, hat uns das miese Wetter Valladolids geholfen, die letzten 48h mit fleißigen Händen vorm Rechner zu sitzen und in aller Ruhe und Gemütlichkeit reichlich Rohmaterial unseres Kurztrips nach Teneriffa zu einem kleinen, aber anschaulichen Filmchen zu schneiden.

Ihr mögt euch vielleicht fragen warum es ein paar arme Backpacker wie uns mal plötzlich mitten im April in ein 4-Sterne Hotel nach Teneriffa verschlägt. Ja, wie es einige von euch schon mitbekommen haben, trifft das oft zitierte Klischee: Spanien – Sommer, Sonne, Sonnenschein nur bedingt auf die Region um unser kleines Valladolid zu. Reichlich Regen, dumpfes Grau über den Köpfen, kombiniert mit einer dunklen, nicht allzu gemütlichen Wohnung  führt dann zu gewissem Fernweh. Auf einem kleinen sonntäglichen Spaziergang zwischen zwei Regengüssen erblickten wir im Schaufenster eines der  3726 Reisebüros Valladolids verlockend preiswerte Angebote für Lastminute Trips ins gelobte Land der Sonne. Nach kurzem Schaufenster-Preisvergleich ging’s mit geladener Brieftasche Montag früh punkt 10 ins Reisbüro. Nachdem wir wussten was uns finanziell nun wirklich erwarten sollte, wenn wir kommenden Freitag fliegen würden, baten wir um ein paar Stunden Bedenkzeit. Als wir das nächste Mal 14 Uhr das Innere von „Mundi Boy Viajes“ betraten, waren wir der Meinung, dass es sich eigentlich nicht lohnen würde mit dem Abflug noch bis zum Wochenende zu warten. Die gute Frau im Reisebüro guckte erstmal ein wenig überrascht als wir fragten, wie viel es denn kosten würde, wenn wir gleich morgen losmachen würden. Nach weiteren 3h Bedenkzeit buchte sie dann unser Hotel und den Flug für Dienstag früh 10.15 Uhr. Da wir noch nach Madrid mussten, und der Bus für 4.15Uhr bereits ausgebucht war, blieb uns nichts anderes übrig als mit dem Bus 00.30Uhr loszufahren. Der Countdown begann – uns blieben ca. 7h bis zur Abfahrt!


Nach reichlich unregelmäßigen Schlaf- und Wachphasen auf dem Flughafen erwartete kurz vorm Boarding eine Senioren-Kolonne, so dass wir uns nicht sicher waren ob es hier auf die Kanaren oder nur zu ’ner Kaffeefahrt ging. Das Best Tenerife Hotel entpuppte sich dann als eine eigene kleine Welt, die nichts mehr mit Spanien zu tun hatte. Als wir an der Rezeption spanisch redeten, wurden wir mit ganz großen Augen angeguckt. Ansonsten hörte man nur Englisch, Deutsch oder Holländisch. Für den gemeinen deutschen Touristen ist es dann auch beim Abendessen selbstverständlich jegliche Konversation mit dem Servicepersonal komplett in seiner Landessprache zu absolvieren. Dabei brauch man nun wirklich keinen IQ von 140 um das  Wörtchen Gracias zu lernen und auszusprechen.


Einmal im Pool-Paradies angekommen machten wir die kommenden 4 Tage nicht viel mehr als uns früh und abends am recht beachtlichen Buffet den Bauch bis zum Kehlkopf voll zuschlagen um danach wie eine verdauende Schlange am Pool zu liegen. Die paar mitgenommenen Aktivhormone verleiteten uns dazu am ersten Tag noch am abwechslungsreichen Animationsprogramm teilzunehmen. Kurz und Knapp: Nora gewann beim Dartturnier eine sagenhafte Goldmedaille, ich beim Tischtennisturnier eine Sporttasche, beim Luftpistole schießen gingen wir beide leer aus. Abends gab’s so nette Beschäftigungen wie Bingo oder Beatles Cover-Band (wie schön für die zahlreich angereisten Engländer).


Um euch nun nicht mit Worten totzutreten leite ich jetzt besser mal ganz gekonnt zu dem bereits angekündigten Filmgenuss über. Auf das alles wieder gut wird!

 

 

 



von Hannes - veröffentlicht in: Videos
Kommentar hinzufügen - Kommentare (7) - empfehlen
Sonntag, 23. märz 2008
von Nora und Hannes - veröffentlicht in: Videos
Kommentar hinzufügen - Kommentare (8) - empfehlen
Freitag, 21. märz 2008

Es ist Dienstagabend. Gegen 23.30 Uhr. Dienstag, 2 Tage nach Palmsonntag und 3 Tage vor Karfreitag. Für die einen kurz vor Ostern, für die anderen schon mitten drin. Für uns eigentlich ein ganz normaler Tag. Bis Julie, unsere Mitbewohnerin, gegen halb 12 abends verlauten ließ, dass sie nun da seien.

Aufgeregt, wie Kinder am Abend vor ihrem Geburtstag bewegten wir uns geschwind zu unserem Wohnzimmerfenster, dass uns den Blick direkt in die Calle Macias Picavea hinunter ermöglichte. Eingeengt von fünf- bis sechsstöckigen Häusern ringt sich diese einspurige Straße an unserer Haustür vorbei. Da begann sie also, die erste richtige Prozession der Semana Santa. Der Anfang einer Woche christlicher Feierlichkeiten, spanischer Kultur und Stadtspektakel zugleich. Wir schnappten wieder mal alle Technik und eine warme Mütze, rannten die Treppe runter um hautnah in das Spektakel einzutauchen zu können.

Die Straße war voll von maskierten Prozessionsteilnehmern. Es war dunkel, fast herrschte Totenstille, keiner bewegte sich. Nur unsere Köpfe wanderten die Gasse entlang. Dann knallten die Pauken. Ein langsamer, schwerer Rhythmus. Die maskierte Masse begann sich langsamen Schrittes fortzubewegen. Wir konnten nur staunen. Ab und zu überkam uns ein eisiges Schaudern. Einen halben Meter neben uns schwebte ein Zug von verschleierten Menschen vorbei, getragen von einer beängstigenden Melodie und versteckt hinter langen Gewändern und Kapuzen, so dass nur ihre Augen dunkel zu erahnen waren. Als würde der Henker gerade sein Opfer zum Schafott tragen. Nachdem wir ein paar Meter mitgegangen sind, ließen wir sie passieren. Nach ein paar tiefen Atemzügen schauten wir uns gegenseitig an und waren einig: schon echt einnehmend und wenig gruselig.

Dieses Erlebnis sollte aber erst der Anfang einer ganzen Woche mit ähnlichem Schauspiel sein. Allerdings muss ich gleich sagen, dass es sich nie wieder so angefühlt hat, wie an diesem ersten Abend. Stattdessen kamen negative Nebeneffekte der ganze Feierei zum Vorschein. Da wir nun mitten im Stadtzentrum wohnen, umzingelt von Kirchen und Kathedrale, welche immer Start- und Endpunkt der Prozessionen sind, wurden wir quasi die ganze Zeit von Getrommel und Trompetenmelodien überschüttet. Von Früh bis Abends. Von Nachts bis Früh. An einigen Tagen fanden 8 bis 10 verschiedene Prozessionen statt, die ersten begannen früh um 8, die letzten starteten nach um 3.

Doch warum diese Prozessionen? Was steckt dahinter? Buße tun. Um die Anonymität des Bußeaktes zu wahren, kleidet man sich in die langen Gewänder und bedeckt die Köpfe mit Kapuzen. Viele der Büßer laufen dabei Barfuß (Außentemperatur 2°C). Wichtige Bestandteile der Prozessionen sind die so genannten Pasos. Diese Pasos sind eine Art Wagen, auf denen in Form von riesigen Figuren entweder Mutter Maria oder Stationen des Kreuzweges Jesus dargestellt sind.

Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Hauptprozession am Karfreitag. An dieser nahmen alle Bruderschaften („cofradías“) der Stadt teil, sodass insgesamt mehrere tausende Vermummte durch die Stadt liefen, die von zahlreichen Zuschauern bestaunt wurden.

Um das ganze hier nicht in einen Schulaufsatz abdriften zu lassen, der so klingt als hätte man die Hälfte von Wikipedia abgeschrieben, soll diesen einleitenden Worten nun ein paar audiovisuelle Eindrücke folgen.

 




von Nora und Hannes - veröffentlicht in: Videos
Kommentar hinzufügen - Kommentare (5) - empfehlen
Sonntag, 16. märz 2008

Haltet inne ihr Heiligen! Freunde, Verwandte und alle die es noch werden wollen: das Warten hat ein Ende. Die sächsische Botschaft in Spanien hat ihre Druckerpresse wieder angeworfen, die besten Journalisten aus Valladolid eingestellt und sie raus in die raue Welt geschickt um euch die Sensationen zu liefern, nach denen ihr nun schon in unruhigen Kommentare gefordert habt.

Was ist nun die lang ersehnte Schlagzeile des Tages? Ich sags euch: es ist Ostern. Für den Durchschnittsdeutschen mag das nicht sonderlich aufregend klingen solange er kein Herzflattern bekommt wenn er karierte Tchibo-Boxershorts im Garten suchen darf oder umgeformten Schokoweihnachtsmänner als Hasen wieder verkauft bekommt. Wer seine Augen aber ein bisschen weiter öffnet (etwa so weit dass die Sicht bis Spanien reicht), der wird feststellen, dass dieses christliche Fest im katholischen Spanien eine etwas größere Bedeutung hat als bei uns.

Das merkt man zum einen daran, dass Ostern hier nicht Ostern heißt sondern Semana Santa (dt: heilige Woche), und es keinen Versteck’- und-ich-such-dich-Kult gibt. Was hier zur Semana Santa auf der Tagesordnung steht, bekamen wir erstmals letzten Sonntag früh um 10 schmerzlich zu spüren. Nach einem Dauerläuten der Kathedralsglocken (etwa 20min), die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden, hatten wir es aufgegeben wieder in das Reich der Träume zurückzukehren. Leicht wütend fiel uns ein, dass ja Palmsonntag ist. An diesem Tag wird der Einzug Jesus nach Jerusalem gefeiert. Die Palmen dienten dabei als behilfliches Winkelement zur Begrüßung dessen. In Spanien, und ganz besonders hier in Castilla y Leon, befeiert man diesen Tag mir einer Prozession  durch die Innenstadt.

Diese Prozession ist eine Art Umzug bei dem jede Bruderschaft der Stadt einen Teil des Zuges bildet. Und Valladolid hat viele Bruderschaften. Sehr viele. Unglaublich viele. Zu unterscheiden sind die verschiedenen Kirchen an ihren Wappen und ihrer Kleidung. Lange Roben verschiedener Farben und Schnitte zieren hier alles was zwischen 3 und 99 Jahre alt ist. Musikalisch untermalt wird das Ganze durch die hauseigene Kapelle, bestehend aus Rhythmusgruppe und Blechbläsern. Die Prozession am Palmsonntag startet an der Kathedrale wo sich alle Teile des großen Umzugs um 12 Mittags treffen um dann den weg durch die Stadt zu bestreiten. Ich muss ja nicht dazu sagen, dass solch ein Spektakel nicht nur kirchenintern gefeiert wird sondern dass da natürlich die ganze Bevölkerung der Stadt auf den Straßen und vor allem auf dem Plaza Mayor (bestückt mit Tribünen) unterwegs ist. Als dann etwa 10 vor 12 Uhr direkt vor unserem Wohnzimmerfenster kräftig auf die Pauke gehauen wurde blieb uns nichts anderes übrig als den Schlafanzug abzustreifen, unauffällige Tageskleidung überzuziehen und alles was an mobiler Technik verfügbar war klar zu machen.

Wir mischten uns also unauffällig unter die Massen um das Fest zu erleben und festzuhalten. Am schönsten zu beobachten waren eigentlich die vielen Kinder, die einen großen Teil des Umzugs ausmachten. Wie sie vor sich hinträumen, mit dem Palmenende im Gulli stecken blieben, ein Palmen-Maschinengewehr imitierten oder einfach nur alle nacheinander wie Dominosteine aneinander stießen, wenn der erste stehen blieb da die dahinter mit Gedanken und Augen im Publikum ihre stolze Oma suchten. Doch wie sagte einst Joachim Menders: all die leeren Worte sind nur halb so voll wenn sie nicht mit Bildern verziert und zum Leben erweckt werden. Deswegen lehnt euch zurück, holt ne Tüte Puffmais, schaltet Handys und Herzschrittmacher aus und genießt das neue Werk der Geschwister Gonzales aus dem fernen Valladolid.

FILM AB!

 

 

 

von Hannes - veröffentlicht in: Typisch Spanisch
Kommentar hinzufügen - Kommentare (2) - empfehlen
Mittwoch, 5. märz 2008

tn_DSCI4600.JPG
Nachdem wir nun die erste Runde im heimischen Valladolid klar für uns entscheiden konnten, fuhren wir hoch motiviert, jedoch leicht angeschlagen nach einer Woche harten Trainings zum Rückspiel ins benachbarte Salamanca. Obwohl wir selbst die Protagonisten dieser Partie sein sollten, bangten wir lange um unsere Tickets für dieses Spiel. Wir hatten es dummerweise die ganze Woche über nicht geschafft, Tickets für unseren hauseigenen Mannschaftsbus zu besorgen. Als ich mich dann durchrang Donnerstagmittag (Donnerstag 18.00 fuhr der Bus) in meiner Freistunde zur Estación de Autobuses zu pilgern, um mit gutem Gewissen unsere Tickets zu holen, machte unsere Buscompany natürlich schon Siesta. Für alle anderen begann die beliebte Mittagspause erst 14.30 Uhr. Für Auto-Res allerdings schon 12.30 Uhr. Na ja, wir hatten ja noch Zeit. Als ich dann zwischen 14.50 und 15.00 in der Uni auf Nora wartete, probierte ich mal die Tickets online zu kaufen. Aber das ganze so zwischen Tür und Angel an öffentlichen Computern war meiner Kreditkarte oder dem Buchungssystem einfach zu unruhig. Nix ging. Na ja, der Bus fährt ja auch erst um 6. Als wir um 4 zuhause waren ging’s immer noch nicht übers Internet, obwohl ich ganz ruhig geatmet  und meine Kreditkarte ab und zu gestreichelt hab. Na ja, gleich auf unserer Straße ist ein Reisebüro wo man solche Tickets kaufen kann. Da gehen wir dann einfach um 5 hin, wenn die wieder aufmachen und kaufen das Ticket. Aus um 5 wurde viertel 6 und im Reisebüro war schon ordentlich Betrieb. Also liefen wir gleich zum Busbahnhof. 20 Min vor Abfahrt standen wir in einer unangenehm langen Schlange vor unserem Schalter. Unangenehm, weil wir die ganze Zeit das Gefühl hatten, die vor uns kaufen uns die letzten Tickets für Salamanca weg. Doch wer fleißig hofft, wird auch belohnt und so ging letztendlich doch alles glatt (das war ja fast so schwierig wie Tickets für die Fußball WM in Deutschland zu kriegen).

Doch nun genug der Vorrede, zurück zum Wesentlichen. Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten. Und Caro und Erik waren so freundlich, unsere weltmännische Geste von letzter Woche zu imitieren und uns vom Bahnhof abzuholen. Damit es nicht ganz so abgekupfert wirkt, haben Sie aus Eigeninitiative leckere Willkommens-Churros mitgebracht. Churros das sind so etwa 20cm lange Stangen aus Teig, der vorher in fettigem, heißem Fett frittiert wurde (wahrscheinlich mit Öl das fettig ist). Normalerweise trinkt oder löffelt man diese edlen Gebäcke mit einer cremig heißen Schokolade feinster Qualität. Mit Fett im Bauch und Gepäck auf dem Rücken (was man alles so für eine Nacht einpacken kann?!?!) ließen wir uns durch die Altstadt zum Mannschaftshotel bringen. Der erste Eindruck der Stadt im Dunkeln, aber beleuchtet mit dem besten Flutlicht nördlich des Äquators, war schon überwältigend. Enge Gassen, Kirchen, Klöster und Kathedralen bereiteten uns einen echt schönen Empfang. Nur im Hotel fehlte es leider an einem Whirlpool und der physiotherapeutischen Abteilung. Aber sonst waren wir bestens ausgerüstet. Nach kurzem Ausruhen gingen wir dann noch für ein kleines Abschlusstraining raus in die Straßen. Beliebte Trainingseinheiten waren das Suchen von witzigen aus Stein gehauenen Astronauten und Eistüten in der Fassade der größtenteils gotischen Kathedrale und das Testen diverser Tapas, die schon nicht schlecht, aber unserer Meinung nach nicht ganz so gut waren wie die in Valladolid. Einen kleinen Spielvorteil konnten sich die Tapas aus Salamanca allerdings verschaffen, als sie sich in den Preis eines Getränks eingliederten. So wurde die ganze Chose recht preiswert. Als krönenden Abschluss dieses Abends wollten uns unsere Gastgeber mit ganz ausgefallenen Gaumenfreuden überraschen. Leider wussten sie selbst nicht genau worauf sie sich eingelassen hatten. Versprochen wurde uns das Tor des Jahres. Was wir bekamen war das krasseste aller Eigentore: es sieht gut aus, tut aber verdammt weh!

tn_IMGP3099.JPG

Auf den ersten Blick sieht es vielleicht aus wie ein etwas zusammengefallener Krokanteisbecher. Im Endeffekt war es allerdings eine Schicht dickflüssiger Gemüsesuppe abgedeckt mit reichlich Steinpilzschlagsahne (dekoriert mit ein wenig Karamel). Ich sag euch, ein paar Minuten hab ich gekämpft, dann hab ich aufgegeben.

Die ersten Minuten des großen Spiels am nächsten Morgen haben wir erstmal sprichwörtlich verschlafen:
tn_IMGP3104.JPG
Doch danach liefen wir regelrecht zu Hochform auf und spielten frei auf (Caro und Erik durften bis um 2 noch ihre letzte Einheit in der Sprachschule bestreiten). Highlights der ersten Halbzeit waren der Besuch der alten und neuen Kathedrale. In Salamanca gibt es nämlich aus uns bisher unerklärlichen Gründen 2 Kathedralen, die direkt aneinander gebaut wurden. Die alte ist romanisch und nicht allzu hoch. Genau angrenzend wurde die neue, gotische Kathedrale gebaut, die natürlich um einiges größer und prunkvoller ist. Beim Ersteigen des Kirchturms hat man echt eine schöne Aussicht über Stadt und auf die vielen Storchennester in Nachbartürmen und Dächern. Die Gegend hier muss echt ein regelrechtes Paradies für Störche sein. Fröhlich bauen sie sich ihre Nester und klappern dazu auch noch erheitert mit den Schnäbeln.
tn_DSCI4652.JPG               im Vordergrund das Dach der alten Kathedrale, dahinter das Ausmaß der neuen...
                                              tn_DSCI4663.JPG                                        wer findet den Storch?

Interessant war auch die alte Universität, welche wohl die 4. älteste Uni in Europa sein soll. Da aus irgendeinem Grund der Frosch eine Art Wahrzeichen der Stadt ist, wurde in der verzierten Fassade des alten Uni-Gebäudes mal wieder ein kleiner steinerner Frosch versteckt den es zu suchen galt. Wie viele andere stellten wir uns also hin und guckten wie blöde in die Luft um den Frosch zu finden, der letztendlich gar nicht wie ein Frosch, sondern eher wie ein dreidimensionaler Fleck aussah.
tn_DSCI4632.JPG                                      wer findet den Frosch?

Zur Halbzeit gönnten wir uns ein ausgedehntes Picknick am Flussufer mit reichlich Sonne, Brot und Käse. Bei soviel Wonne und Vertrautheit übten wir gleich mal diverse Torjubel um in Form zu bleiben.

tn_IMGP3118.JPG tn_IMGP3116.JPG

Die zweiten sehr langen 45 Minuten verbrachten wir mit Schlendern, Liegen, Beobachten eines leicht übermütigen Möchtegern Turners im Spiderman-Kostüm mitten auf dem prall gefüllten Plaza Mayor und dem Genießen krasser heißer Schokoladen.

tn_IMGP3129.JPG

Kurz vor Abpfiff, d.h. gegen halb 10 gab’s noch mal ein richtiges Highlight. Im bahnhofseigenen Bäcker machte ich die Erfahrung wie es ist, ein Gebäck, welches 1€ kostet, mit einem 10€ Schein zu bezahlen und von der Kassiererin als Wechselgeld glatte 19€ zurück zu bekommen. Nach sentimentalem Abschied unserer Gastgeber debattierten Nora und ich wie einst Günter Netzer und Gerhard Delling ob wir nun 10€ in Bar geschenkt bekommen haben oder doch nur 9€ in Münzen und 1€ in Form eines Gebäcks.

Im gemütlichen Reisebus ließen wir bei ruhiger Fahrt den letzten Spieltag Revue passieren und freuten uns gleichzeitig auf die nächste Begegnung. Zu kommentieren, wer nun letztendlich dieses Spitzenspiel für sich entscheiden konnte, nehmen wir uns nicht heraus. Das überlassen wir nach dieser objektiven Schilderung unserem Publikum.

P.S.: Eins ist aber sicher: Real Valladolid hat am Sonntag mal wieder kläglich verloren und steht nun wieder mit einem Fuß auf den Abstiegsrängen. Hätten Sie uns mal eingesetzt…. 

 

von Hannes
Kommentar hinzufügen - Kommentare (12) - empfehlen

Kalender

Juli 2009
M D M D F S S
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    
<< < > >>
Erstellen Sie einen Blog auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Missbrauch melden