Friday, 21. march 2008 5 21 /03 /März /2008 21:06

Es ist Dienstagabend. Gegen 23.30 Uhr. Dienstag, 2 Tage nach Palmsonntag und 3 Tage vor Karfreitag. Für die einen kurz vor Ostern, für die anderen schon mitten drin. Für uns eigentlich ein ganz normaler Tag. Bis Julie, unsere Mitbewohnerin, gegen halb 12 abends verlauten ließ, dass sie nun da seien.

Aufgeregt, wie Kinder am Abend vor ihrem Geburtstag bewegten wir uns geschwind zu unserem Wohnzimmerfenster, dass uns den Blick direkt in die Calle Macias Picavea hinunter ermöglichte. Eingeengt von fünf- bis sechsstöckigen Häusern ringt sich diese einspurige Straße an unserer Haustür vorbei. Da begann sie also, die erste richtige Prozession der Semana Santa. Der Anfang einer Woche christlicher Feierlichkeiten, spanischer Kultur und Stadtspektakel zugleich. Wir schnappten wieder mal alle Technik und eine warme Mütze, rannten die Treppe runter um hautnah in das Spektakel einzutauchen zu können.

Die Straße war voll von maskierten Prozessionsteilnehmern. Es war dunkel, fast herrschte Totenstille, keiner bewegte sich. Nur unsere Köpfe wanderten die Gasse entlang. Dann knallten die Pauken. Ein langsamer, schwerer Rhythmus. Die maskierte Masse begann sich langsamen Schrittes fortzubewegen. Wir konnten nur staunen. Ab und zu überkam uns ein eisiges Schaudern. Einen halben Meter neben uns schwebte ein Zug von verschleierten Menschen vorbei, getragen von einer beängstigenden Melodie und versteckt hinter langen Gewändern und Kapuzen, so dass nur ihre Augen dunkel zu erahnen waren. Als würde der Henker gerade sein Opfer zum Schafott tragen. Nachdem wir ein paar Meter mitgegangen sind, ließen wir sie passieren. Nach ein paar tiefen Atemzügen schauten wir uns gegenseitig an und waren einig: schon echt einnehmend und wenig gruselig.

Dieses Erlebnis sollte aber erst der Anfang einer ganzen Woche mit ähnlichem Schauspiel sein. Allerdings muss ich gleich sagen, dass es sich nie wieder so angefühlt hat, wie an diesem ersten Abend. Stattdessen kamen negative Nebeneffekte der ganze Feierei zum Vorschein. Da wir nun mitten im Stadtzentrum wohnen, umzingelt von Kirchen und Kathedrale, welche immer Start- und Endpunkt der Prozessionen sind, wurden wir quasi die ganze Zeit von Getrommel und Trompetenmelodien überschüttet. Von Früh bis Abends. Von Nachts bis Früh. An einigen Tagen fanden 8 bis 10 verschiedene Prozessionen statt, die ersten begannen früh um 8, die letzten starteten nach um 3.

Doch warum diese Prozessionen? Was steckt dahinter? Buße tun. Um die Anonymität des Bußeaktes zu wahren, kleidet man sich in die langen Gewänder und bedeckt die Köpfe mit Kapuzen. Viele der Büßer laufen dabei Barfuß (Außentemperatur 2°C). Wichtige Bestandteile der Prozessionen sind die so genannten Pasos. Diese Pasos sind eine Art Wagen, auf denen in Form von riesigen Figuren entweder Mutter Maria oder Stationen des Kreuzweges Jesus dargestellt sind.

Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Hauptprozession am Karfreitag. An dieser nahmen alle Bruderschaften („cofradías“) der Stadt teil, sodass insgesamt mehrere tausende Vermummte durch die Stadt liefen, die von zahlreichen Zuschauern bestaunt wurden.

Um das ganze hier nicht in einen Schulaufsatz abdriften zu lassen, der so klingt als hätte man die Hälfte von Wikipedia abgeschrieben, soll diesen einleitenden Worten nun ein paar audiovisuelle Eindrücke folgen.

 




von Nora und Hannes - veröffentlicht in: Videos
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Kommentare

eieiei, die kostüme sind wirklich nicht ohne...ohne das publikum und mit weniger licht wäre das echt unheimlich :) die woche hätte ich nicht mit euch tauschen wollen, schlafen ist schon schön :)
Kommentarnr1 gepostet von Michael Hoberg am 7.04.2008 um 08h39
hui...echt mystisch...wie so eine assasinengemeinschaft aus einer höhlenstadt im tiefen orient, die nun nach halbjähriger wanderschaft ihren bruder jalamus endlich in seiner verfluchten heimatstadt valladolid beisetzen können. besonders ab bild 00:01:53:24 erinnert das an einen sandsturm in einem schlechten hollywoodstreifen. ich glaub euch das gern mit der gänsehaut....
Kommentarnr2 gepostet von sancho am 7.04.2008 um 09h30
Herr Hoberg, Sie sind aber früh auf ;-) Die Bilder mit den vielen Leuten sind vom Karfreitag. Am ersten Abend waren kaum andere Leute auf der Straße und es war dementsprechend ruhig und unheimlich. Herr Erik: ja! genau das ging uns bei den Bildern auch durch den Kopf! ;-)
Kommentarnr3 gepostet von Nora am 7.04.2008 um 12h17
sieht eher nach dem Ku-Klux-Klan aus, diese rassistischen schweine!!! nee,aber was soll denn dieser blöde lange zipfel!?!?! da kann´s ja mal echt zu missverständnissen kommen... lg
Kommentarnr4 gepostet von sommy am 7.04.2008 um 19h10
Que interesante!! Me parece que son como los diablos... Comisteis algo especial en ese dia??
Kommentarnr5 gepostet von Mariko am 11.04.2008 um 09h52
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