Samstag, 31. mai 2008

Dass eine Uni, bloß weil sie eine Privatuni ist, nicht gleich das non plus ultra sein muss, überrascht nicht allzu sehr. Dass es aber bei solch einer Einrichtung an der Fähigkeit oder dem Willen mangelt für eine artgerechte Benutzung der Toiletten zu sorgen, lässt mich dann doch ein wenig zweifeln. Abgesehen davon, dass seit Monaten die meisten Pissoirs als Defekt markiert sind, wurde der morgendlichen Notdruft ein weiterer Erlebnisfaktor hinzugefügt: Toilette-Climbing! Was man dazu braucht? Zu aller erst ein Opfer (in diesem Falle ich). Als zweites ein geeignetes Örtchen (in diesem Falle eines der Sitzklos unserer Uni hier). Was bedeutet in diesem Falle „geeignet“? Ein Klotür, die man von innen nicht öffnen kann, weil es an einer Türklinke fehlt und einen etwa 50cm hohen Spalt zwischen Tür und Decke. Wie läuft der ganze Spaß dann ab? Man läuft mit wohlwollendem Grinsen aufs Klo, in weiser Voraussicht, sich in etwa 20 Sekunden besser fühlen zu werden. Man betritt die Klokabine, da die Pissoirs defekt sind und lässt hinter sich die Tür ins Schloss fallen. Dann dreht man sich zur Tür um abzuschließen und fängt an sich zu wundern, warum hier die Türklinke fehlt und nur so ein bissel anderes Eisen rausguckt.


Nach kurzen Öffnungsversuchen sollte man dann so schnell wie möglich den Entschluss fassen über die Tür drüber wieder in den allgemeinen Kloraum zu klettern. Vorher noch den Rucksack auf der anderen Türseite wie Rapunzel ihr Haar herunter lassen. Dann kurz versichern, dass keiner vorm Waschbecken steht und sich erschrickt, wenn er im Spiegel einen Typen aus dem Klo klettern sieht. Der Rest ist dann eine Mischung aus unheimlich viel Technik, Mut und eigentlich auch Spaß.

 

 

Da unsere Uni ja nicht gerade ihr Geld für Handwerker ausgibt gibt’s neben den normalen Lehrveranstaltungen erlebnisreiche Veranstaltungen wie die Jornada Cultural, ein Tag mit verschiedenen künstlerischen Wettbewerben, Theateraufführungen, Sandwichverkauf, Mini-Golf auf dem Frontacker oder Paintball. Letzteres hatte die Erasmus-Gemeinde erheblich in Aufregung versetzt. Zumindest die, die sich trotz drüben Grau und leichtem Nieseln aus dem Bett zerren konnten. Nachdem wir uns im Sekretariat der Uni mit Telefon-, Haus- und Ausweisnummer dafür angemeldet hatten, konnte sich Special European Force an die Arbeit machen: Teams bilden, Overalls anziehen, Masken aufsetzen, Waffen laden und Stellung beziehen. Paintball-Kenner wissen, dass für diesen Spaß  eigentlich ein Areal mit gewisser Größe benötigt wird, um ein wenig herum zu rennen, sich zu verstecken um dann das gegnerische Team mit Farbkugeln aus dem Gasdruckgewehr aus dem Hinterhalt abschießen zu können. Der Spielplatz, der für die großen, spielwütigen Kids auf unserem Uni-parkplatz installiert wurde glich von der Größe einem etwas kleinen Basketballfeld. Worauf es dann letztendlich hinauslief, als der Starpfiff ertönte, war, so schnell wie möglich hinter eines der aufgeblasenen Hindernisse zu laufen und mit möglichst großer Trefferquote sein Magazin an Farbkugeln leer zuschießen. Nach 10 Minuten kindlichem Adrenalin verglichen wir stolz gelb gefärbte Haare und blaue Flecken an Arm und Bein. Bei einem feucht-warmen Kakao und ´ner ruhigen Partie Schach konnten wir alle Aggressionen abbauen und wieder zueinander finden. Überflüssige Diskussionen über die moralische Vertretbarkeit solcher Spiele in Zeiten von Amokläufen an Schulen o.ä. fielen schnell unter den Tisch, da wir uns alle für psychisch fit und aufgeklärt genug hielten um nicht Fiktion mit der Realität zu verwechseln. Haben wir uns nicht zu Fasching auch immer als Cowboys oder Indianer abgeschossen?

 



Auch wenn es eher traurig und schade als lustig ist, muss hier noch kurz angemerkt werden, dass die Nori aus verschwörerischen Umständen nicht an dieser sehr belustigenden Veranstaltung teilnehmen konnte. Die Verschwörung bestand grob gesagt aus plötzlich einsetzendem Regen, einer nicht nachvollziehbaren Reaktion ihres Hauptnervenzentrums, einem paar Wollsocken, sehr rutschigen Fließen, viel Schmerz und einem Fuß der von innen zwar ganz aussieht, es von außen allerdings nicht ist und sich auch nicht so anfühlt. Für genauere Hintergründe bitte ich das jetzt humpelnde Opfer selbst zu kontaktieren, da aufgrund der heiklen Situation nicht zu viele Informationen über diese öffentliche Seite preisgegeben werden sollten. Bitte habt dafür Verständnis! Danke.

von Hannes
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Kommentare

Krass, echt krass.
Kommentarnr1 gepostet von Karin am 1.06.2008 à 15h20
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