Es ist Samstag Morgen 11 Uhr und da unsere Küche nicht gerade sehr einladend wirkt an diesem Morgen (wie so oft) entschließen wir uns, unser Frühstück im Café um die Ecke einzunehmen. Nach 45 Minuten ausgiebigem Zeitunglesen und Kakao-Schlürfen, läuft uns beim Verlassen des Cafés aufgeregt unsere Vermieterin entgegen. Sie habe sich von ihrem Freund getrennt, ob es uns was ausmache, dass sie vorübergehend bei uns einziehe. Mit ihrem Kind. 1 Jahr alt.
Naja, was hätten wir schon antworten sollen, ist ja ihre Wohnung. Insgeheim hatten wir aber noch die Hoffnung, dass es am Ende nicht dazu kommt, schließlich ist es schon das dritte Mal, dass sie bei uns einziehen will.
Als wir 5 Minuten später nach Hause kamen, wurden wir eines besseren belehrt. Sie war bereits eingezogen. In 45 Minuten. Aber so was von eingezogen. Wohnzimmer und Flur standen komplett voll mit ihrem Hausrat. Der Belgier Hans konnte nur noch steigend aus seiner Zimmertür heraustreten. Fernseher, Zimmerpflanzen, Kinderbett, Plattensammlung, Kisten, Kisten, Kisten.
Hier ein kurzer Eindruck, inklusive der sehr aussagekräftigen Reaktion von Belgierin Julie:
In den darauf folgenden Diskussionen versuchte uns Irene (so heißt sie) davon zu überzeugen, dass es nur für kurze Zeit (ein paar Tage) ist, bis sie was Neues gefunden hat. Gut, das könnte man jetzt glauben, muss man aber nicht.
Dagegen spricht, dass…
Dafür spricht….
Gut, dann sind wir jetzt also 5 einhalb Personen in unserer schönen Wohnung. Mal abgesehen davon, dass wir nun kein Wohnzimmer haben und die Duschzeiten neu koordinieren müssen (das warme Wasser reicht hier immer nur für 2 kurze Duschen hintereinander), wird es nun eben generell etwas enger hier. Und lauter. Vor allem früh. Nachts nicht, da muss man ganz leise sein.
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass unsere Vermieterin auch noch 2 Amerikanerinnen beherbergt, die hier 5 Wochen Study Abroad machen? (irgendwoher muss das Geld ja kommen…) Diese mussten natürlich auch ausziehen und wohnen nun über uns, zusammen mit einem Mädel und 2 hüfthohen Hunden. Allerdings haben die beiden Vollpension gebucht, was wiederum heißt, dass sie ihre Mahlzeiten hier bei uns einnehmen und sich auch sonst recht oft in unsere Wohnung aufhalten (wahrscheinlich mögen sie keine Hunde…).
Wenn wir also durch unsere Wohnung laufen, ist es nun nicht überraschend, einen fremden Menschen im Bad zu sehen, Kinder durch den Flur rennen zu hören und ab und an auch mal einem Hund über den Weg zu laufen (wenn oben jemand vergessen hat die Tür zu zumachen).
Als wäre es vorher nicht schon schlimm genug gewesen. Schließlich hatten wir in den letzten Monaten schon mit nicht am Boden befestigten Kloschüsseln, verstopften Badewannen, nicht abwaschenden Belgiern, Dauerregen (ja, Dauerregen in Spanien!) und Kakerlaken unterm Bett zu kämpfen.
Dies hatte nicht nur Auszugs- sondern - zumindest bei mir - sogar manchmal Heimfahrgedanken zur Folge.
Nun scheint die Sonne aber seit 2 Tagen wieder und Dreck, Kindergebrüll und enge lichtlose Räume lassen sich so gleich viel besser ertragen. Am Sonntag waren wir Paintball spielen, aber aufgrund meiner Fußverletzung war ich da natürlich ein leichtes Opfer
Das ist mein Arm und nicht mein Oberschenkel!
Aber Hannes hats auch erwischt:
Momentan lernen wir – mehr oder weniger intensiv – für unsere Prüfungen am Donnerstag und Freitag aufgrund der veränderten Lebensbedingungen lieber draußen als drinnen.
Am Freitag bekommen unsere Belgier von 4 Freunden Besuch, dann sind wir hier zu 10. Bloß gut, dass wir uns am Samstag für 12 Tage nach Portugal verziehen. Dort haben wir uns nen kleinen, niedlichen VW Polo gebucht um ein wenig wie zu guten alten Zeiten in Australien, unser Leben – ob am Tag oder in der Nacht – ins Auto und in die pure Wildnis zu verlegen. Nur dass unser mobiles Zuhause dieses Mal etwa 2 Meter kürzer ist. Gemütlicher als in unserer Wohnung ist es aber bestimmt!