Typisch Spanisch

Saturday, 28. june 2008 6 28 /06 /Juni /2008 14:03

Gleich vorweg: uns hat es nicht gefallen. Wir fanden es irgendwie abstoßend und eklig, hatten danach lange Zeit ein sehr seltsames Gefühl im Bauch.
Worum es geht: Stierkampf.

Wie das geht: An einem sonnigen Nachmittag begeben sich hunderte bis tausende von Menschen zur örtlichen Stierkampfarena. Draußen kauft man Chips, Sonnenblumenkerne oder trinkt noch ein frisches Bier kurz vor dem Spektakel. Mit spanischer Gemütlichkeit geht es dann durch die Gänge und über Treppen zum vorher gekauften Sitzplatz. Die Preise variieren dabei von 15€ - Sonnenseite und oberste Reihen-  bis etwa 150€ für Logenplätze im kühlen Schatten. Wir platzierten uns also mit zwei japanischen Freunden in der vorletzten  Reihe, eng gequetscht, Schulter an Schulter. Vor uns lief einer lang und rief: „kühle Getränke, Cola, Bier“. So langsam tat sich dann auch etwas unten in der Arena. Ein paar gepanzerte Pferdchen liefen ein, begleitet von ein paar bunt gekleideten Toreros. Nachdem sich alle ein wenig zur Schau gestellt hatten, zogen die meisten wieder ab. Etwa 6 Toreros ließen sich rosa-gelbe Tücher geben und verschanzten sich in der Arena hinter kleinen Holzschutzmauern. Bevor der Toro ins Feld gelassen wird, zeigt ein weiterer Helfer noch eine Tafel hoch mit einem kleinen Steckbrief des guten Tieres: Herkunft, Gewicht usw.

Dann der große Moment: der Toro, in all seiner Pracht, Schönheit und beladen mit Temperament und Kraft rennt in die Arena. Ab und zu wagen sich ein paar der Helfer-Toreros hinter ihren Schutzwänden hervor und versuchen mit dem Stier zu spielen. Doch selten sind sie länger als ein oder 2 Sekunden ungeschützt. Das ganze geht so etwa 3-4 Minuten. Dann betreten 2 der gepanzerten Pferde, bepackt mit Reiter und Lanze die Arena. Nach kurzer Präsenz greift der Stier eines der Pferde an und bekommt vom Reiter die Lanze in den Rücken gejagt. Wie das für die Pferde aussieht, könnt ihr euch vorstellen. Leicht geschwächt, rennt der Toro weiter.  Nun kommen drei weitere Toreros zum Zug. Jeder von ihnen hat die bekannten kleinen, mit Puschel-Stoff überzogenen Speere in der Hand, die sie wiederum dem Tier Auge um Auge in den Rücken rammen. In der Arena verteilt, sind dabei die ganze Zeit die anderen Toreros  mit ihren rosanen Tüchern um den Toro abzulenken, falls er mal unkontrolliert auf einen anderen zu rennt. Das ganze geht etwa weiter 5 Minuten so. Der Stier bewegt sich nun mittlerweile mit einer ganz anderen Art. Hat bereits viel von seiner Kraft und seiner Geschwindigkeit verloren. Das Blut läuft ihm nun den Rücken hinunter. Nun kommt so langsam der „große“ Auftritt des eigentlichen Toreros bestückt mit dem tiefroten Tuch. Er tritt in die Manege um mit dem Stier zu spielen, mit dem Stier der sich nun fast so langsam bewegt wie ein Mensch, mit dem Stier der froh ist über jede Pause und so hektisch atmet wie ein Asthmatiker. Je weiter die Minuten fortschreiten, desto langsamer wird er. Er steht dem Menschen, der ihn bald von all dem Schmerz erlösen wird, gegenüber und wartet darauf bis dieser wieder mit seinem Tuch zuckt damit er dann wieder ins Leere rennen darf. Nicht selten kommt es vor, dass der Stier aus Schwäche einknickt oder sich über die Hörner überschlägt. Einmal lag er bloß da, wollte nicht mehr aufstehen. Da mussten schon drei andere Toreros helfen, damit das Tier wieder auf die Beine kommt. Nach etwa 10 Minuten Show, Mann gegen halbtoten Toro, ist der Stier kaum noch in der Lage sich zu bewegen. Nun ist es die Aufgabe des Toreros dem ganzen ein Ende zu setzten. Entweder er schafft es mit seinem Schwert dem Stier noch weitere Male in den Rücken zu stechen bis dieser tot umfällt oder er drängt ihn an die Wand, umgeben von Helfer-Toreros die ihn mit den Tücher völlig kirre machen, bekommt ein weiteres Mordwerkzeug gereicht und beendet das ganze mit einem gezielten Stoß auf den Kopf. Wie auch immer, am Ende sackt das Tier geschlagen auf dem blutigen Sand zusammen. Manch ein Torero schneidet sich dann gern noch ein Ohr von dem zuckenden Tier ab. Warum wissen wir nicht. Vielleicht als Trophäe. Letztendlich kommen wieder 2 Pferde, die den toten Stier an einem Seil durch die Arena dann nach draußen schleifen. Jetzt klatschen vielleicht ein paar Leute, wenn Sie es nicht schon gemacht haben, als der Stier tot umfiel. Ok, der erste Kampf ist vorbei. Es folgen weiter fünf.


Nun, wir wollen uns nicht anmaßen hunderte Jahre mediterraner Kultur mit Füßen zu treten und einen wichtigen Teil spanischer Kultur auf das Töten von Tieren zu reduzieren. Doch es war uns sehr unheimlich und seltsam, wie man an diesem, für uns feigen, Spektakel so viel gefallen finden kann. Wir rechneten mit einem Kampf: ein Mann gegen einen Stier. Stattdessen waren es Pferd mit Lanze, 6 weiter Toros, und ein Haupt-Toro der sich feiern ließ obwohl er mit einem halbtoten Stier kämpfte.

Nun haben wir danach natürlich mit Spaniern darüber geredet. Die ältere Generation sieht darin eher die Tradition, eben ein Kulturgut von mehreren Jahrhunderten. Außerdem lebten die Stiere 3 oder 4 Jahre in paradiesischen Zuständen, nahezu in der Wildnis, im Vergleich zu Kühen und Schweinen die wir jedes Jahr ohne Wimpernzucken verzehren. Es stehen also 4 Jahre schönes Leben gegen 20 Minuten elendes Leiden.

Die jüngere Generation findet kaum Gefallen am Stierkampf. Die meisten jungen Spanier die wir gesprochen haben, haben selbst noch nie einen Stierkampf gesehen. Außerdem gibt es reichlich Demonstrationen, Vereine und Parteien gegen dieses Töten der Tiere.

Abgesehen von dem Leid, was das Tier während des Kampfes erfährt, fanden wir eher erschreckend wie man sich das Ganze als belustigende Nachmittagsbeschäftigung angucken kann, zwischen den einzelnen Stieren genüsslich eine Tüte Chips verdrückt und dann halt wieder nach Hause geht. Wir sind nach 4 von 6 Toros mit einem sehr seltsamen Gefühl im Bauch leicht angeschlagen nach Hause gegangen.

Wir hoffen nun keinem Spanier und seiner Kultur allzu sehr auf die Füße getreten zu sein. Es waren einfach unsere Gefühle und Gedanken.

Der Film zeigt nun einen kleinen zusammengefassten Ausschnitt von dem was wir erlebt haben.


von Hannes - veröffentlicht in: Typisch Spanisch
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Sunday, 16. march 2008 7 16 /03 /März /2008 21:57

Haltet inne ihr Heiligen! Freunde, Verwandte und alle die es noch werden wollen: das Warten hat ein Ende. Die sächsische Botschaft in Spanien hat ihre Druckerpresse wieder angeworfen, die besten Journalisten aus Valladolid eingestellt und sie raus in die raue Welt geschickt um euch die Sensationen zu liefern, nach denen ihr nun schon in unruhigen Kommentare gefordert habt.

Was ist nun die lang ersehnte Schlagzeile des Tages? Ich sags euch: es ist Ostern. Für den Durchschnittsdeutschen mag das nicht sonderlich aufregend klingen solange er kein Herzflattern bekommt wenn er karierte Tchibo-Boxershorts im Garten suchen darf oder umgeformten Schokoweihnachtsmänner als Hasen wieder verkauft bekommt. Wer seine Augen aber ein bisschen weiter öffnet (etwa so weit dass die Sicht bis Spanien reicht), der wird feststellen, dass dieses christliche Fest im katholischen Spanien eine etwas größere Bedeutung hat als bei uns.

Das merkt man zum einen daran, dass Ostern hier nicht Ostern heißt sondern Semana Santa (dt: heilige Woche), und es keinen Versteck’- und-ich-such-dich-Kult gibt. Was hier zur Semana Santa auf der Tagesordnung steht, bekamen wir erstmals letzten Sonntag früh um 10 schmerzlich zu spüren. Nach einem Dauerläuten der Kathedralsglocken (etwa 20min), die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden, hatten wir es aufgegeben wieder in das Reich der Träume zurückzukehren. Leicht wütend fiel uns ein, dass ja Palmsonntag ist. An diesem Tag wird der Einzug Jesus nach Jerusalem gefeiert. Die Palmen dienten dabei als behilfliches Winkelement zur Begrüßung dessen. In Spanien, und ganz besonders hier in Castilla y Leon, befeiert man diesen Tag mir einer Prozession  durch die Innenstadt.

Diese Prozession ist eine Art Umzug bei dem jede Bruderschaft der Stadt einen Teil des Zuges bildet. Und Valladolid hat viele Bruderschaften. Sehr viele. Unglaublich viele. Zu unterscheiden sind die verschiedenen Kirchen an ihren Wappen und ihrer Kleidung. Lange Roben verschiedener Farben und Schnitte zieren hier alles was zwischen 3 und 99 Jahre alt ist. Musikalisch untermalt wird das Ganze durch die hauseigene Kapelle, bestehend aus Rhythmusgruppe und Blechbläsern. Die Prozession am Palmsonntag startet an der Kathedrale wo sich alle Teile des großen Umzugs um 12 Mittags treffen um dann den weg durch die Stadt zu bestreiten. Ich muss ja nicht dazu sagen, dass solch ein Spektakel nicht nur kirchenintern gefeiert wird sondern dass da natürlich die ganze Bevölkerung der Stadt auf den Straßen und vor allem auf dem Plaza Mayor (bestückt mit Tribünen) unterwegs ist. Als dann etwa 10 vor 12 Uhr direkt vor unserem Wohnzimmerfenster kräftig auf die Pauke gehauen wurde blieb uns nichts anderes übrig als den Schlafanzug abzustreifen, unauffällige Tageskleidung überzuziehen und alles was an mobiler Technik verfügbar war klar zu machen.

Wir mischten uns also unauffällig unter die Massen um das Fest zu erleben und festzuhalten. Am schönsten zu beobachten waren eigentlich die vielen Kinder, die einen großen Teil des Umzugs ausmachten. Wie sie vor sich hinträumen, mit dem Palmenende im Gulli stecken blieben, ein Palmen-Maschinengewehr imitierten oder einfach nur alle nacheinander wie Dominosteine aneinander stießen, wenn der erste stehen blieb da die dahinter mit Gedanken und Augen im Publikum ihre stolze Oma suchten. Doch wie sagte einst Joachim Menders: all die leeren Worte sind nur halb so voll wenn sie nicht mit Bildern verziert und zum Leben erweckt werden. Deswegen lehnt euch zurück, holt ne Tüte Puffmais, schaltet Handys und Herzschrittmacher aus und genießt das neue Werk der Geschwister Gonzales aus dem fernen Valladolid.

FILM AB!

 

 

 

von Hannes - veröffentlicht in: Typisch Spanisch
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Saturday, 23. february 2008 6 23 /02 /Feb. /2008 20:14

Nichts böses ahnend sagten wir letzte Woche zu, als uns Maira fragte, ob wir mit ihr ausgehen wollten.

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Maira

Allerdings läuft das in Spanien etwas anders als in Deutschland.
Los gings 22.30 in der ersten Tapasbar. Ich will euch nicht schon wieder mit Essen langweilen, aber es war unglaublich lecker.
In Tapas Bars läuft es übrigens so: grundsätzlich steht man. Manchmal gibt es Barhocker. In einigen Bars kann man sich auch richtig an einen Tisch setzen, das ist dann aber teurer. Wozu auch setzen, man zieht ja eh gleich weiter in die nächste. Meistens isst man etwas kleines, trinkt ein Bier ("cana") dazu und dann geht’s weiter. Mit den Tapas hab ich gar kein Problem, an das viele Bier muss ich mich allerdings noch gewöhnen…

Die Servietten wirft man nach der Benutzung einfach auf den Boden. Das sieht dann so aus:

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Wenn man in Spanien mit Freunden weggeht, ist es üblich, dass man entweder vorher Geld zusammen schmeißt und damit dann alles bezahlt, oder jeder mal eine Runde bezahlt. Wenn man anfängt die Rechnung auseinander zu friemeln, outet man sich sofort als Deutscher. Je nachdem wie viele Leute es sind, können es also ganz schön viele Runden (--> viele canas!!) werden.

Nachdem die ersten Tapas und das erste Bier verspeist/getrunken waren, ging es also auf in die nächste Tapas Bar. Nach 3 Bars waren wir dann erstmal satt. Nächster Stop: Chupetería. Schnapserei. (das Wort musste ich neu erfinden, weil’s sowas in Deutschland halt nicht gibt).

Dort erwartete uns eine riesige Auswahl an Schnäpsen. Und nichts weiter. Nur Schnäpse. Und dabei war mein Alkoholpegel von den 3 Bier in den 3 Tapas Bars doch schon völlig ausreichend, wenn nicht sogar viel zu hoch für meine Verhältnisse. Aber man will sich ja auch nicht lumpen lassen. An diesem Abend habe ich zum ersten mal erlebt, dass es Schnaps gibt (außer Tequila), der schmeckt! Mit weißen Schokoladenstückchen!

An dem Punkt des Abends geht’s für die Spanier erstmal richtig los. Das andere war nur Vorspiel. Jetzt kommen nämlich die Copas. Das ist zum Beispiel Wodka Cola und so was, also das ganz harte Zeug. Dazu haben wir – wer hätte es gedacht – mal wieder die Bar gewechselt.

Um das ganze abzukürzen: um 2 Uhr (für die Spanier eine unmögliche Zeit um einen Abend zu beenden), sind wir (also zumindest ich) auf dem Zahnfleisch nach Hause gekrochen und haben fast die ganze Woche gebraucht um uns zu regenerieren.

Da müssen wir also noch ganz schön trainieren, damit  wir mit den Spaniern konditionell mithalten können…

 

von Nora - veröffentlicht in: Typisch Spanisch
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Sunday, 17. february 2008 7 17 /02 /Feb. /2008 22:58
Wir freuen uns sehr, dass ihr den Blog lest und so fleißig Kommentare schreibt!
Für die, die es noch nicht gemacht haben: tragt eure emailadresse bei "Newsletter" ein, dann bekommt ihr automatisch eine Nachricht, wenn wir einen neuen Artikel veröffentlicht haben und bleibt immer auf dem neuesten Stand.

Bilder von unseren Zimmern reichen wir nach (mit Vorher-Nachher-Bilder wirds schwierig Dorit, wir wollen nicht alles nochmal umräumen und dreckig machen ;-))
Heute gibt es erstmal ein kleines (Horror-)Video von unserer ersten spanischen Autofahrt gestern. Ein paar Schimpfwörter hab ich übersetzt, die anderen reiche ich gern allen volljährigen Lesern nach (Bitte Kopie des Personalausweises mailen). Allen anderen bei Vorlage einer schriftlichen Erlaubnis der Erziehungsberechtigten.

(für alle älteren Leser: auf "Play" klicken (das ist das kleine Dreieck), dann nochmal auf Pause und warten bis es fertig geladen ist (bis der Balken sich komplett dunkel gefärbt hat, dann wieder auf Play)
TON ANMACHEN


 
von Nora - veröffentlicht in: Typisch Spanisch
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